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So läßt es sich leben. Wieder viel Glück und 2 phantastische Bücher in der Bibliothek gefunden. Beide handeln von Lehrern. Auf sehr unterschiedliche Weise. Beide Bücher kann man nicht als schön bezeichnen. Aber richtig toll sind sie alle beide. Der Hals der Giraffe ist literarisch betrachtet ein Hammerbuch.

Der Hals der Giraffe. Bildungsroman.

Inge Lohmark die Protagonistin des Romans ist Biologielehrerin an einer Schule in einer Kleinstadt in Vorpommern. Ihr Tage als Lehrerin sind gezählt. Denn es fehlen die Schüler, in einem Landstrich der von Abwanderung geprägt ist. Was durch viele Beschreibungen von Judith Schalansky einprägsam geschildert wird. Biologie als Wissenschaft und vorallem Ihre Auslegung des Darwinismus und dessen Anwendung auf Ihre kleine Welt prägen das Denken und Handeln von Frau Lohmark.  Dieser Bildungsroman ist große Literatur. Bildungsroman, das passt, in mehrfacher Hinsicht.Und selten habe ich einen Roman gelesen in welchem der/die Schreibende so hinter der Hauptfigur verschwindet. Aber vielleicht ist das auch nur eine Mutmaßung, denn ich kenne Frau Judith Schalansky ja nicht. Wir werden beim lesen Zeugen von Frau Lohmarks Gedanken, die so fließend in alle geschilderten Gespräche einfließen das es oft schwierig ist beides auseinander zu halten. Was dem Roman aber überhaupt nicht abträglich ist, sondern Frau Lohmark und Ihre Welt für den Leser nur noch verdichtet.

Das was man von Inge Lohmark erfährt sind hauptsächlich Ihre Gedanken, Gefühlskalt wäre eine treffende Bezeichnung für Ihre Person. Wenn nicht so überaus klar wäre, das es nicht die Gefühlskälte ist die Frau Lohmark beherrscht, sondern eher ein fehlen von Gefühl und einer eigenen Sinneswahrnehmung. Sie erklärt sich alles, aber auch wirklich alles, über Ihre ganz eigenen Ansichten vom Überleben des Stärkeren, im Sinne der sich anpassenden Natur. Eine Anpassung um in einer sich verändernden Welt zu überleben. Was Sie selbst für sich in keinster Weise schafft. Beeindruckenden ist wie an einer kleinen, aber um so wichtigeren Begebenheit mit Ihrer Tochter, und später mit einem Vorkommnis in der Schulklasse klar wird wie arm an Gefühlen Inge Lohmark ist. Und so ist es mit vielem in diesem Buch. So vieles in kurzen Abschnitten, wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht. Auf Frau Lohmarks Punkt wohlgemerkt. Ein sehr eigentümliches Buch. Ein sehr eigene Welt. Ein sehr einprägsames Buch, wie ich es vorher noch nicht gelesen habe.  Außerdem wunderschön: De Leineneinband mit Prägedruck.

Hier in der FAZ ein sehr schönes Interview

Jakob Arjouni ist auch eine meiner Neuentdeckungen dieses Jahres. Ein toller Schriftsteller mit echt guten Geschichten. Und auch hier ist die Hauptfigur nicht gerade ein Sympatieträger in seiner unrealistischen Einschätzung seiner Umwelt. Aber spannend allemal. Und einfach eine gute Geschichte. Aufjedenfall ein toller Nachmittag mit guter Literatur, lecker Espresso und Kuchen! Mein Lieblingsbuch von Arjouni ist aber „Cherryman jagt Mister White„. Auch wenn ich es lange nicht mitnehmen wollte. Jetzt wars da und hat mich zutiefst beeindruckt.

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