VALEAT

 

Hier begriff ich, dass man sein Leben so weit als möglich leben müsse, nicht dem Tage nach, sondern in die Tiefe. Dass man nicht das Nächste tun muss, wenn man fühlt, dass man am Übernächsten, am Fernen, am Entferntesten mehr Anteil hat. Dass man träumen darf, während andere retten, wenn diese Träume einem wirklicher sind als die Wirklichkeit und notwendiger als Brot. Mit einem Wort: dass man die äußerste Möglichkeit, die man in sich trägt, zum Maßstabe seines Lebens machen müsse. Denn unser Leben ist groß, und es geht so viel Zukunft hinein, als wir tragen können.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

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