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Endlich endlich kommt hier das Interview zur phantastischen wunderbaren Wolle von Back to the Wheel. Wer sich nicht mehr erinnert: Bitteschön das Bild

DSC02744Gentle Rose heißt das gute Stück, hier nun aufgewickelt. Ein Prachtstück und ein Einzelfall, also wirklich künstlersich wertvoll. Alles total Natur und per Hand gesponnen. Herrlich, oder?

DSC02717Das Interview: Back to the Wheel

Hey Kathrin, seit wann bist Du denn im Spinngeschäft? Wann und wie hast Du das spinnen für Dich entdeckt? Und wer hat es Dir beigebracht.

Spinnen tue ich seit ca 3 Jahren. Ich bin durch „Zufall“ darauf gestoßen, als ich nach meinem ersten Studium viel Freizeit hatte. Mich haben Spinnerinnen und das Spinnrad schon immer fasziniert, weil ich mich schon viel mit alten Handwerk und Frauenwissen beschäftigt habe. Das Spinnrad war immer ein Symbol für den Jahreszyklus mit seinen landwirtschaftlichen Festen und deshalb war das Spinnrad ein Innbegriff des Eins Seins mit der Natur und ihren Zyklen. Und ich liebe Frau Holle schon seit ich ein Kind bin. Tja, da war ein sehr fruchtbarer Boden, als ich durch Zufall ein Youtubevideo über das Handspinnen fand.
Beigebracht habe ich mir das dann selbst. Angefangen mit der Handspindel. Die Fasern und der Prozess wie sie zum Garn werden hat mich sofort in den Bann gezogen. Als ob ich mich in eine uralte Tradition eingeklinkt hätte und mit all den Frauen vor mir in Verbindung stehen würde. Ich habe mich wie ein kleines Glied einer sehr langen Kette gefühlt. Damit war es geschehen.

Wie ich finde hast Du sehr interressante Materialkombis, wo bekommst Du denn Sariseide her? Bzw. wie kommst Du auf so ein Material (möchte ich auch unbedingt mal ausprobieren). Und auch meine Wolle die „Gentle Rose“ ist ja eine besondere, da Demeterwolle, Du magst wohl sehr gern natürliche Materialien? Kennst Du deine Wolltiere?

Meine Materialien bekomme ich von sehr unterschiedlichen Quellen. Einmal teste ich diverse kleine Onlineshops mit handgefärbten Fasern. Dann suche ich immer Schäfer, von denen ich die Fasern direkt bekomme. So bekomme ich auch meine Demeterwolle. Es sind Höfe, die ich selbst kenne und von denen ich auch mein Gemüse bekomme. Dort habe ich die Schafe selbst gestreichelt;-), und dann bestelle ich die besonderen Fasern auch aus Übersee, so die Sariseide zum Beispiel. Sie stammt aus Indien und ich habe eine Händlerin aus Kanada von der ich sie kaufe. Die einfarbigen Merinofasern bekomme ich von einem Onlinehandel.
Vor dem Spinnen kardiere ich die Vliese grundsätzlich selbst. Die Mischungen sind also meine eignen Mischungen aus einfarbigen Fasern.
Dieses Jahr erweitere ich diesen Prozess und nehme noch das Handfärben mit auf. Stück um Stück sollen die Fasern aus dem Onlinehandel reduziert werden und mit Fasern von regionalen biologisch wirtschaftenden Höfen ersetzt werden, die ich selbst färbe. Doch das ist ein längerer Prozess. Auf jeden Fall kommen NUR Naturfasern zum Einsatz, nur ein geringer Prozentsatz ist Synthetik: die glitzernden Angelinafasern, da gibt es keine Alternative. Je mehr öko desto besser. Aber wie gesagt, das ist ein langsamer Prozess, der Quellensuche und der passenden Faserqualität.

Ist Spinnen deine Hauptbeschäftigung? Oder hast Du noch nen anderen Job? Wo bekommst Du deine Ideen für Materialmischung und Farbmischung her? Was inspiriert Dich?

Ich habe mir einige Bücher aus den USA bestellt und mein Mann schenkte mir zu meinem Geburtstag das Spinnrad. Dafür bin ich ihm ewig dankbar. Seit dem bin ich vom Rad nicht mehr weg zu bekommen. Anfangs waren es nur ein oder zwei Stunden am Abend zur Entspannung. Es beschäftigt die Hände und fängt des ewige Geplappere im Kopf ein und bringt es zur Ruhe. So war es dann eine Therapie während meinem 2. Studium. Heute spinne ich täglich bis zu 6 Stunden am Tag. Ich bin eigentlich Kunsthistorikerin und christl. Archäologin. Und stecke derzeit in einem Aufbaustudium für Bauforschung und Denkmalpflege. Aber trotzdem ist Spinnen meine Berufung geworden. Und es ist auch gar nicht so weit von der Kunstgeschichte und Denkmalpflege weg, denn es ist Kulturgeschichte und so fundamental mit dem täglichen Leben verbunden, dass es sehr viele Traditionen, Sprachwendungen, ja sogar Haustypen und Grundrissgestaltungen gibt, die durch die Textilherstellung beeinflusst sind. Nur in den letzten 100 Jahren haben wir das vergessen. Es ist also nicht nur Garn, sondern auch Geschichte und unser aller Wurzeln, neben vielen anderen Gewerken natürlich auch!!!:-)

Die Inspiration: die kommt von den Fasern selbst. Die Faser bestimmt die Technik, die Farben bestimmt mein Bauch und wie das Garn im Detail aussieht, das entsteht kurz vor dem Einschlafen im Dämmerzustand 😉

Gibts beim Spinnen verschiedene Techniken? Und wie lange brauchst Du für einen Strang wie meinen bis er fertig ist? Hast Du bestimmte Leute mit denen Du zusammenarbeitest?

Technisch habe ich viel von Jacey Boggs gelernt. Ich teile ihren Fokus auf Technik und Konstruktion eines Garnes, so dass es kontrolliert gesponnen wird. Daneben kenne ich wohl so ziemlich jedes Youtube-Video zu Spinntechniken. Im Moment lerne ich viel von traditionellen Spinnerinnen wie Anne Field. Allerdings immer aus Büchern und durch ständiges Üben. Was nicht schwer bei 6 Stunden am Tag ist 😉
Für einen Strang von 100g brauche ich im Durchschnitt 8 Stunden, also einen Arbeitstag. Das varriert natürlich nach der Technik, aber im Durchschnitt kommt das hin. Die genaue Aufschlüsselung findest du auf der neuen Seite „FAQs“ auf meinem Blog.

Ach und dein Corporate Design finde ich super gemacht…der Brief und das Label…einfach cool.

Ja, die CI war so eine Sache. Ich hatte ein paarmal den Blog umgezogen, weil ich selbst umzog und der Name nicht mehr passte.
„Back to the Wheel“ kam dann ganz plötzlich, wie ein innere Aufruf. Ich selbst interessiere mich sehr für Selbstversorgung und Themen, die früher eben eine Frauendomäne waren. Salben selbst herstellen, Brotbacken, Nähen, Gärtnern, Kräutersammeln und so weiter. Mein Leben wird immer mehr back to the roots, weil ich diese betäubte Kosumwelt nicht leiden kann. Und so kam Back to the wheel in dem auch Back to the roots steckt als Aufforderung sich an die alten Fähigkeiten und das alte Wissen zu erinnern. Einmal um es zu erhalten und zum anderen um uns selbst Mündig und Eigenverantwortlich zu machen. Wer die Fähigkeiten hat, ist nicht mehr abhängig davon alles kaufen zu müssen. Das ist meine Lebensphilosophie. Das Design kam dann daher, dass ich einfach ein kleiner Rebell bin, ich mag es rotzig und will zeigen, dass Stricken und Spinnen nicht altbacken ist, sondern für jeden Typ Mensch, egal welches Alter, was bereit hält.Daher freue ich mich auch über den Strickhype in meiner Generation;-)

In ein paar Wochen soll mein Dawandashop eröffnet werden. Bis dahin soll dann das CI fertig sein und ein kleiner Vorrat an Garnen auch. Vielleicht eröffne ich ihn auch zum Geburtstag meines Spinnrades am 10.3. Mal sehen 😉

GANZ HERZLICHEN Dank liebe Kathrin für deine ausführlichen Antworten. Ich bin extrem begeistert.

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