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Meine liebe Oma Gisela war Schneiderin. Sie ist eine der vielen Trümmerfrauen gewesen, nur das Sie damals noch ein Mädchen war. Sie verlor Ihre ersten beiden Kinder und adoptiere zusammen mit meinem Opa einen kleinen Jungen. Diesem kleinen Jungen folgten dann noch 5 leibliche Kinder (leider starb auch das letzte kurz nach der Geburt).

Das war eine große Familie auch für damalige Verhältnisse und es war wenig Geld vorhanden aber für alles nötige immer gesorgt. Und meine Oma war Schneiderin!!! sprich all diese Kinder hatten immer eine perfekte Ausstattung. Soweit ich weiß hat meine Oma ALLES selbst genäht was diese 6 Kinder trugen. Immer wenn ich Fotos davon sehe bin ich wieder und wieder erstaunt wie Sie das alles gemacht hat. Alle Kinder waren immer gut gekleidet. Man sah ihnen nicht an das nicht viel Geld vorhanden war.

Bei meiner Oma machte ich die ersten Gehversuche – ich war die älteste Enkelin, in Sachen Stickerei und Nähen, Sie ließ mich sogar einfach an die Nähmaschine. Sie zeigte mir wie man strickt und wie man häkelte. Selber war Sie bis Sie sich den Arm brach immer mit dabei. Für meine Tante mußte Sie immer die Maschen aufnehmen, weil diese behauptete das nicht zu können. 🙂 Meine Oma war ein Multitalent. Ein ganz liebes Multitalent.

Soweit wie Sie bin ich nie gekommen. Meine Nähkenntnisse sind beschränkt – aber immerhin habe ich schon einen ganzen Flamencorock genäht und ein paar kleinere Projekte wie Taschen. So richtig ran traue ich mich an größeres auch nicht. Stoff ist ja doch eine teure Angelegenheit. Dennoch ich habe große Lust drauf und schon bisschen was probiert. Wenn ich hier mal wieder mehr Platz gemacht hab habe ich auch schon ein paar Ideen. (ich brauche unbedingt ne größere Arbeitsplatte)

Bis dahin recherchier ich gerne noch ein bisschen 🙂 Ich fand immer schon Formen interessant, sei es die von Kleidern, Räumen oder Gärten. Grade was das Nähen angeht fand da ja eine sehr sehr vielfältige Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte statt was die Form der Kleidung angeht – gibts ganz tolle Bücher dazu. Von einfachen Vierecken zu ausgeklügeltsten schmückenden Extravaganzen – oft noch ein bisschen am Theater oder der Oper zu sehen. Sehr sehr spannend. Inzwischen hat das Elasthan diese Formen ja ein bisschen ausgehebelt und es wird wenig auf Figur geschneidert, oder sagen wir weniger und wenn dann oft nicht unbedingt Vorteilhaft.

Wobei ich es durchaus spannend finde wie durch das richtige Material eine Menge Form in einen einfachen Schnitt hineinkommen kann 🙂

Es gibt Menschen die finden das mit den ausgeklügelten Sachen total spannend, meistens Fans von Rollenspielen oder historischen Mittelaltermärkten oder Weltenbummler die in anderen Kulturen schnuppern waren.

Hier bin ich auf ein ganz spannendes Projekt gestoßen:eine geschmokte Schürze. Geschmockte Teile liebte ich schon als Kind sehr und möchte das auch gern mal beim Stricken ausprobieren. Dieser Blog macht so richtig Lust darauf alte Techniken zu probieren: also richtig geschmockt, ohne Gummiband:

http://www.medievalsilkwork.com/2011/08/smocked-apron-finished.html

Ich weiß leider nicht wie die Macherin heißt, bin aber absolut begeistert von den tollen historischen Sachen die Sie näht und würde zugern auch mal in so ein schönes Kleid schlupfen, wie Sie sie nähnt. Aber Sie näht nicht nur Kleider (mit der Hand) sondern Sie macht auch noch das ganze Zubehör. Unglaublich.

Hier hat Sie ein paar Links ins Netz gestellt mit Tips fürs schmocken.

http://www.medievalsilkwork.com/2010/06/smocked-apron-tutorials.html

Eigentlich bin ich über meine Stickrecherche auf die Seite gestoßen, auch da ein gute Idee für die Löcher die sich gern mal unter den Armen bilden:

http://www.medievalsilkwork.com/2013/10/mending-old-shirt.html

Wie Ihr seht, ich bin kaum mehr weggekommen von dieser Seite, einfach genial und so ein Talent. WOW.

Ich habe selber 1 Jahr bei den Archäologen gearbeitet, die Ethnologische Sammlung gleich nebendran (da wär ich gern geblieben), da hat man schon viel gesehen, aber auf diesen Seiten kann man das einfach noch mehr nachvollziehen wenn man sieht wie es gemacht wird. Falls ich mal richtig richtig reich werde möchte ich mir einen Traum verwirklichen: ein Gewerke Museum. Wo die alten Handwerkskünste so vorgestellt werden das man ganz viel ausprobieren kann – als gelernte Bauzeichnerin mit Baustellenpraktikum kann ich da auch noch andere Erfahrungen beisteuern. Und erst mal die japanische Holzbaukunst und Färberei.. SEUFZ

Ich finds so wichtig das dieses Können nicht in Vergessenheit gerät. Ich denke vieles ist schon verschwunden und nicht mehr nachvollziehbar wenn ich an so manches Schmuckstück aus dem Museum denke. Auch Posamentenmacher ist z.B. ein aussterbender Beruf. Da gibts noch viel zu tun für die Restauratoren, wenn die ganzen schönen Stücke mit den kunstvollsten Web, Stick- und Näharbeiten erhalten bleiben sollen. Die hatten das früher echt drauf. Kurz hab ich auch überlegt ob ich sowas machen soll, die Aufträge würden nie ausgehen, aber dann müßte ich jeden Tag dasselbe machen, das wäre nix für mich. Aber toll finden tue ich Sie schon die Posamenten.

Bis es soweit ist können Wir uns an das Deutsche Museum in München halten. Oder auch an einige andere historische Ausstellungen.

Tut mir leid das ich hier gar keine schönen Bilder für Euch habe – aber hinter den Links gibt es viel zu staunen.

Salut

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